Gedopt. Gesperrt. Verheimlicht.

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Fast 30 Dopingfälle hat es im deutschen Fußball gegeben. Der DFB verspricht Transparenz im Anti-Doping-Kampf. Doch ein bislang nicht veröffentlichter Fall aus der Regionalliga zeigt nach Recherchen von CORRECT!V, wie einfach der Fußball eine positive Dopingprobe verschwinden lassen kann.

[Von Fabian Scheler, Jonathan Sachse und Daniel Drepper]

Rehden heißt der Ort, an den sich wohl selbst Pep Guardiola zurückerinnert. Hier steht Guardiola zum ersten Mal als Trainer des FC Bayern bei einem Pflichtspiel an der Seitenlinie. Es ist die erste Runde des DFB-Pokals 2013, der Gegner ist der BSV Schwarz-Weiß Rehden, ein Verein aus der Regionalliga Nord. Provinz, 100 Kilometer südlich von Bremen.

Für Rehden ist es das größte Fußballereignis der Vereinsgeschichte. Zwar muss der Verein nach Osnabrück umziehen, weil die eigenen Waldsportstätten den DFB-Auflagen nicht genügen. Doch das ganze Dorf fährt mit. Millionen Zuschauer wollen die Guardiola-Premiere bei ARD und Sky sehen. Es ist ein lauer Sommerabend im August.

Zum ersten Mal blickt Fußball-Deutschland auf Rehden. Was nicht in diese Stimmung passt: Eine positive Dopingprobe. Ein paar Monate zuvor, im Mai 2013, finden die Kontrolleure Methylendioxymethamphetamine im Urin von Rehdens Stürmer Marcus Storey. Ecstasy.

30 Dopingfälle im deutschen Fußball
Normalerweise veröffentlichen Vereine und Verbände positive Dopingfälle auf ihren Internetseiten. Doch der Fall Storey ist bis heute nicht zu finden. Der DFB schreibt auf seiner Webseite, insgesamt seien seit 1988 „nicht einmal 20 Spieler positiv getestet“ worden. Nach Recherchen von CORRECT!V gibt es in Wahrheit dagegen schon fast 30 Dopingfälle (Zeitleiste im Beitrag auf correctiv.org). Wie kann es sein, dass ein Fall wie der von Marcus Storey nicht an die Öffentlichkeit kommt? Und was sagt das über die Doping-Aufklärung im Fußball aus?

Zwei Monate vor dem Pokalspiel gegen Guardiolas Bayern ist der BSV Rehden zu Gast beim VfR Neumünster. Die Regionalliga-Saison ist Mitte Mai 2013 auf der Zielgeraden. Auf der Rehdener Bank sitzt der US-Amerikaner Marcus Storey. Bei der 2:0 Niederlage wird er nicht eingewechselt. Trotzdem muss er nach dem Spiel zur Dopingprobe. Ein Zufall. Alle Spieler, die im Kader stehen, können ausgelost werden.

Ecstasy? „Mit den falschen Leuten unterwegs“
Das Ergebnis kommt ein paar Wochen später: Storey ist positiv auf Ecstasy. Nichts für große Leistungssprünge, eher um Schmerzen zu lindern oder für Euphorie auf dem Platz. Woher kommt das Ecstasy? Marcus Storey selbst äußert sich auf Anfrage nur einmal, eine Party soll Schuld sein. „Ich bekam etwas ins Getränk und bin am nächsten Morgen woanders aufgewacht. Ich glaube, ich war mit den falschen Leuten unterwegs.“ Das ist alles. Auf weitere Anfragen reagiert Storey nicht mehr.

Marcus Storey arbeitet während seiner Zeit in Rheden bei einer Logistikfirma, muss nachts anfangen, eine Umstellung. Storeys damalige Mitspieler erzählen, der Amerikaner sei an den Wochenenden gerne in Clubs feiern gewesen. Die meisten Spieler wären da anders gewesen, sagt Josip Tomic, ein ehemalige Mitspieler und Mitbewohner von Storey. „Arbeiten, Training, Arbeiten, Training, so lief das bei den meisten.“

2007 kommt Storey aus den USA nach Deutschland, will Profi werden. Storey probiert es beim SV Wilhelmshaven. Als er dort auf sich aufmerksam macht, gibt es Angebote aus Essen und Babelsberg. „Mit mehr Wille hätte er es locker zum Profi geschafft“, sagt Bernd Floris Flor, sein damaliger Berater.

„Lebe für Fußball, dann schaffst Du es“
Storey bleibt in der Regionalliga hängen. „Er war stur, genoss lieber die Freizeit. Eine höhere Liga hätte mehr Stress bedeutet und das wollte er nicht“, sagt Spielerberater Flor. Nach Vertragsstreitigkeiten trennen sich Wilhelmshaven und Storey 2012. Er fliegt für einen Kurztrip in die USA, kommt zurück und wechselt nach Rehden. Eine Saison später endet seine Karriere in Deutschland mit der positiven Dopingprobe. Josip Tomic, seinem Rehdener Mitbewohner, sagt er nach einer seiner letzten Trainingseinheiten: „Lebe für Fußball, dann schaffst du es.“ Storey schafft es nicht. Heute kümmert er sich in den USA um Frau und Kind.

Die vermeintliche Dopingaufklärung beginnt danach. Der Vertrag in Rehden endet am 30. Juni 2013. Das ist wichtig zu wissen, denn Rehden fühlt sich danach nicht mehr für den Dopingfall zuständig. Der Spieler ist nicht mehr im Verein, also gibt Rehden keine offizielle Mitteilung raus.

Nicht mal Storeys Mitspieler werden über den Dopingfall informiert. „Es war später mal Thema im Bus auf irgendeiner Auswärtsfahrt, aber alles nur Gerüchte“, sagen einige Mitspieler von damals. In Rehden wird bis heute über Drogen, Dopingfälle und Marcus Storey spekuliert, aber niemand weiß etwas Konkretes.

Hat der Verband die Geheimhaltung angewiesen?
Rehdens Präsident Friedrich Schilling bekommt bereits Mitte Juni am Telefon Bescheid, dass einer seiner Spieler für zwei Jahre wegen Dopings gesperrt wird. Der Verein müsse sich aber keine Sorgen machen, gibt der zuständige Sportrichter am Telefon Entwarnung, denn Storey wurde ja nicht eingewechselt. „Der Norddeutsche Fußball-Verband hat uns angewiesen, das Urteil nicht zu veröffentlichen“, sagt Schilling heute am Telefon und bestätigt es auf Nachfrage noch einmal per E-Mail. Der Verein sollte die positive Probe diskret behandeln, sagt Schilling.

Bis zur offiziellen Sperre dauert es zwei Monate, obwohl der Verein darauf verzichtet, die B-Probe zu öffnen. Das wären für den Verein unnötige Kosten gewesen, sagt Präsident Schilling. Es sei ja klar gewesen, dass sein Verein nicht bestraft wird. Am 10. Juli 2013 spricht der Norddeutsche Fußballverbund sein Urteil: Zwei Jahre lang darf Storey weltweit kein Spiel mehr machen. Das Urteil veröffentlichen weder der BSV Rehden, noch der Norddeutsche Fußballverband oder der Deutsche Fußball Bund.

Je regionaler, desto größer die Gefahr
Der DFB lässt sich selbst die Wahl, ob er Dopingfälle veröffentlicht. Der DFB und die Nationale Anti Doping Agentur dürfen „soweit erforderlich und angemessen“ Informationen über Spieler offenlegen, heißt es in den Durchführungsbestimmungen für Dopingkontrollen. Unterhalb des Profifußballs, also Regionalliga und abwärts, wird erstmal nur der Landesverband benachrichtigt, der die Spielklasse organisiert. Je regionaler die Struktur, desto enger liegen die Interessen der Akteure beieinander, desto größer die Gefahr einer internen Lösung – ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt.

Der Norddeutsche Fußballverband schreibt auf Nachfrage, sowohl er als auch der DFB hätten damals den Fall veröffentlichen können, aber nicht müssen. Der NFV verzichtete darauf. Storey habe zu dem Zeitpunkt seine Karriere ja ohnehin bereits beendet gehabt – und weil „es sich nicht um systematisches, leistungssteigerndes Doping handelte“.

Der Fall Storey zeigt, wie einfach es für den Fußball ist, eine positive Probe geheim zu halten. Nirgendwo findet sich ein Hinweis auf den Fall Storey, auch nicht auf der DFB-Webseite. Nur auf konkrete Nachfrage schickt der DFB eine aktuelle Liste aller Dopingfälle, auf der auch Marcus Storey auftaucht.

Warum wird der Fall nicht veröffentlicht?
Der DFB wirbt immer wieder für größtmögliche Transparenz im Anti-Doping-Kampf. Das eigene Kontrollsystem sei das Beste Europas. Warum wird dann ein solcher Fall nicht veröffentlicht?

DFB-Interimspräsident Koch verweist auf den Norddeutschen Fußballverband, der bei Fällen aus der Regionalliga zuständig sei. „Ohne Ihre Anfrage hätte ich gedacht, dass da alles nach Vorschrift gelaufen ist“, sagt Koch am Telefon. „Für den Rest müssen Sie den NFV fragen.“ Grundsätzlich müsse man abwägen zwischen dem Schutz persönlicher Daten und dem öffentlichen Interesse an Dopingfällen. „Das ist eine Gratwanderung. In diesem Fall hätte ich persönlich wohl auch zum Datenschutz tendiert“, sagt Koch.

Die Pressestelle des DFB beteuert auf Nachfrage, alle Dopingfälle in den obersten Spielklassen der Herren seien in den vergangenen Jahren veröffentlicht worden. Bei Amateur- und Jugendspielern könnte unter Umständen der Datenschutz dagegen sprechen. Daher könne es auch „keine Übersicht aller Dopingfälle im Fußball“ geben.

Neue Datenbank für Dopingfälle
Bis zur aktuellen Zusammenstellung von CORRECT!V gab es keine vollständige Chronologie der Dopingfälle im Fußball. Eine Liste mit Fällen aller Sportarten veröffentlicht die Nationale Anti-Doping-Agentur in ihrem Jahresbericht, allerdings anonymisiert. Die Agentur arbeitet derzeit daran, eine „Datenbank für Disziplinarverfahren“ zu etablieren. Die soll einen transparenten Überblick geben, „auch wenn zunächst viele der Fälle aus datenschutzrechtlichen Gründen noch anonymisiert veröffentlicht werden“.

Beim Vergleich der vom DFB bekannt gemachten Fälle mit denen aus den Jahresberichten der Nationalen-Anti-Doping-Agentur fällt ein bislang nicht öffentlicher Fall aus dem Mai 2013 auf: Das muss Marcus Storey sein.

Seit dieser Saison führt die Nada alle Dopingkontrollen im Auftrag des DFB durch, sowohl im Wettkampf, als auch im Training. Die Kontrolle über die Kontrollen behält jedoch der DFB. Der Verband finanziert das Programm, die Anti-Doping-Kommission betreut den Ablauf, bestimmt den Informationsfluss und entscheidet auch über die Strafen bei positiven Proben. Vorsitzender dieser Anti-Doping-Kommission ist DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

70 Kontrollen pro Jahr für 2000 Spieler
Jeder nicht veröffentlichte Fall schönt die Dopingstatistik des deutschen Fußballs. Die spiegelt ohnehin kaum wieder, wie häufig im Fußball gedopt wird. Das Kontrollsystem im Fußball ist lückenhaft. Die meisten Dopingsubstanzen sind deutlich schwerer nachweisbar als Ecstasy. Dazu werden Fußballer sehr selten kontrolliert. 1700 Dopingkontrollen bezahlte der DFB in der Saison 2013/14 in den ersten drei Bundesligen. Klingt viel, verteilt sich aber auf mehr als 1000 Spieler.

In den fünf Regionalligen ist das Risiko, mit Doping aufzufliegen, noch viel geringer. Nur 70 Kontrollen gibt es bei rund 2000 Spielern in fünf Ligen. Im gesamten Jahr ist weniger als ein Spieler pro Mannschaft überhaupt einmal getestet worden. Marcus Storey erwischte es trotzdem. Er hatte wohl Pech.

Für Rehden war der DFB-Pokal im Sommer 2013 ein großes Fest: Die Bayern trafen bei Guardiolas Premiere fünf Mal. Mit einem „sehr sehr gut“ adelte der neue Bayerntrainer die Leistung der Rehdener nach dem Abpfiff. Es gab ein eigens für diesen Abend komponiertes Lied. Und nach dem Spiel schwappte trotz der Niederlage die Laola durch das ausverkaufte Stadion. Von Doping war keine Rede.

Diesen Artikel veröffentlichen wir in Kooperation mit Zeit-Online.

[Foto: Ivo Mayr / CORRECT!V]

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68 dopende Fußballstars in Europa?

Champions League

Knapp acht Prozent aller europäischen Fußballstars könnten mit Steroiden dopen. Das ist das Ergebnis einer offiziellen Studie. Mehr als 4000 Proben von knapp 900 Fußballern haben die Forscher untersucht. Etwa jeder zwölfte Spieler hatte auffällige Testeronwerte. Weil die Tests anonymisiert sind, wird keiner der 68 verdächtigen Spieler gesperrt werden. Die Verteidigungslinie – “Doping im Fußball gibt es nicht” – scheint damit dennoch gebrochen zu sein. Wir haben uns die Studie angesehen – und zeigen Euch, wo Ihr selbst die Studie findet.

[Von Jonathan Sachse und Daniel Drepper]

Die Wissenschaftler untersuchten 4195 Tests aus europäischen Wettbewerben ein zweites Mal. Die Proben sind aktuell: sie sind von Dezember 2007 bis Mitte 2013. Im Schnitt untersuchten die Forscher pro Spieler fast fünf Proben. Bei 68 Spielern brachte die Analyse einen Verdacht auf Steroid-Doping. Weiterlesen

Das Geschäft mit Dopingtests im Fußball

Screenshot 17.6.2015 auf http://www.sports-medical-services.de/

Screenshot 17.6.2015 auf http://www.sports-medical-services.de/

Der Bayerische Rundfunk berichtete vor einigen Tagen, dass die bisherigen DFB-Dopingkontrolleure auch in Zukunft an den Tests im Fußball beteiligt sind. Obwohl die Kontrollen jetzt – in den den Händen der Nationalen Anti Doping Agentur NADA – angeblich unabhängiger ablaufen sollten. Zwei Kontrollärzte haben eine eigene Firma gegründet, die jetzt den Zuschlag bekommen hat. Die zeitlichen Abäufe werfen Fragen auf.

[Von Jonathan Sachse und Daniel Drepper]

Die Firma heißt Sports Medical Service (SMS). Die beiden Gesellschafter Jens Kleinefeld und Gregor Weimbs-Ackermann sind bereits seit längerem DFB-Dopingkontrolleure.

Der BR zitiert aus einer internen E-Mail:

„Wie Sie alle wissen, wird der DFB die Dopingkontrollen ab der Spielzeit 2015/2016 an die NADA übergeben. In diesem Zusammenhang haben wir die Firma SMS Sports Medical Service GmbH gegründet, um Ihnen, und uns, weiterhin die Möglichkeit bieten zu können, aktiv am Dopingkontrollprozess im Fußball teilhaben zu können.“

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Im Training wird niemand erwischt

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Auch 2014 bleibt die Null stehen: Im deutschen Fußball wurde noch nie ein Doper durch eine Trainingskontrolle überführt. Im vergangenen Jahr analysierten die Kontrolleure 656 Trainingstests. Kein einziger war positiv. Das steht im gestern veröffentlichten Jahresbericht der NADA.

Die ineffektiven Trainingskontrollen werden schon seit Jahren von Dopingexperten kritisiert. Der Wissenschaftler Perikles Simon spricht von vier Mal effektiveren Kontrollen im Wettkampf als im Training. Der neue Jahresbericht der NADA bestätigt die Ergebnisse für den gesamten Sport. Nur im Eishockey, Eisschnelllauf und Volleyball flog im Jahr 2014 jeweils ein Sportler auf. Eine Erfolgsquote von 0,035 Prozent, wie sich aus dem Jahresbericht mit 8.652 Trainingskontrollen ausrechnen lässt (>> PDF Jahresbericht).

Die Null-Prozent Quote im Fußball ist dabei besonders beeindruckend. Noch nie ist ein deutscher Fußballer im Training positiv getestet worden.

Dennoch ist klar, dass im Fußball gedopt wird. Das zeigt nicht nur die regelmäßige Berichterstattung, das zeigen auch die Jahresberichte der NADA. Dort finden sich auch im Jahr 2014 ein paar konkrete Fälle. Durch die Kontrollen im Wettkampf wurden drei Fußballer erwischt. Hier noch einmal in der Übersicht:

April
Mickael Poté (Dynamo Dresden)
Substanz: Salbutamol
Sperre: Verwarnung

September
Joseph Mensah (FC Schweinfurt)
Substanz: Ampethamine
Sperre: 2 Jahre

Dezember
Cebio Soukou (Sportfreunde Lotte)
Substanz: Methylhexanamin
Sperre: 5 Monate

Darüberhinaus gab es zwei weitere positiven Proben, die aber nicht als Dopingverstoß geahndet wurden. Im Mittelpunkt stand jeweils eine Infusion. Wir wissen nicht, welche Substanzen die Fußballer sich verabreicht haben. Da eine der beiden Kontrollen im Training stattfand, kann es sein, dass die Substanz nur im Wettkampf verboten gewesen ist. Wir haben bei der NADA und dem DFB nachgefragt. Sobald wir eine Antwort erhalten, werden wir den Artikel aktualisieren.

[Update 18.6. um 10:09]

Die NADA hat uns heute morgen zu den zwei Fällen geantwortet. Wir zitieren hier die komplette Antwort der NADA zu den beiden nicht geahndeten Fällen. In beiden Fällen habe die NADA entschieden, da es sich hier nicht um mögliche Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen gehandelt haben soll und kein Ergebnismanagementverfahren begonnen.

Fall 1

Bei dem ersten Fall handelte es sich um einen Anfangsverdacht eines versuchten Gebrauchs einer verbotenen Methode (Infusion). Dies resultierte aus den Angaben auf dem Dopingkontrollformal bei einer Trainingskontrolle. Unsere Ermittlungen haben ergeben, dass es sich um eine zulässige Behandlung handelte und somit kein Tatbestand und auch kein Dopingverstoß vorlag. Es handelte sich um einen Fall im Frauenfußball.

Fall 2

Im zweiten Fall handelte es sich um einen Regionalliga Fußballer. Hier lagen Anhaltspunkte außerhalb einer Kontrolle vor. Wir haben eine Mitteilung erhalten, dass möglicherweise Infusionen gegeben worden sind. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine zulässige Injektion handelte, so dass auch hier kein Tatbestand und somit kein Dopingverstoß vorlag.

[Update Ende]

Mit der Saison 2014/2015 wurden erstmals Blutkontrollen im Wettkampf eingeführt. Uns gegenüber kündigte der DFB letztes Jahr „rund 140-150 Wettkampfblutkontrollen“ an. Die Zahlen aus dem Jahresbericht der NADA, die sich nur auf die Hälfte der Saison beziehen, liegen leicht unter der Quote. Es gab 64 Blutkontrollen nach einem Fußballspiel.

Was Löw im Sportstudio hätte sagen sollen

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Für Joachim Löw ist die Sache mit dem Doping einfach. „Im Flugzeug durfte man rauchen oder man durfte auch fahren ohne sich anzuschnallen“, sagte Löw am Samstag im aktuellen sportstudio auf die Frage nach systematischem Doping im Fußball. Man habe halt ein anderes Bewusstsein gehabt. Knapp fünf Minuten sprach der Bundestrainer im ZDF über Doping im Fußball und blieb erstaunlich vage. Löw hat selbst Mittel vom Freiburger Arzt Armin Klümper bekommen, er sollte Interesse an Aufklärung haben. Mit seinem Einfluss hätte er diese am Samstag anschieben können.

Wir haben deshalb aufgeschrieben, was Joachim Löw hätte antworten müssen, wäre er wirklich an Aufklärung interessiert. Die Fragen von Moderator Jochen Breyer haben wir stehen lassen. Die neuen Antworten sind keine Zitate, sondern von uns erfundene Antworten auf Basis von Fakten. Wir unterstellen hierbei, dass Joachim Löws Aussagen im ZDF der Wahrheit entsprechen und er nichts über Dopingpraktiken weiß.

Das echte Interview von Löw am Samstag im aktuellen sportstudio gibt es im Video auf der Webseite des ZDF, um Doping geht es etwa ab Minute 20. Wir haben das Interview verschriftlicht und unten angehängt.

[Von Jonathan Sachse und Daniel Drepper]

Jochen Breyer: Herr Löw, als Sie vor zweieinhalb Wochen gehört haben, dass zur damaligen Zeit, Ende der 70er, Anfang der 80er, in Freiburg und Stuttgart, wo Sie auch gespielt haben, gedopt wurde, Anabolika-Doping groß war – wie haben Sie diese Nachricht aufgenommen? Waren Sie da geschockt?

Joachim Löw: Natürlich war ich geschockt, auch wenn ich schon lange eine Ahnung hatte, dass da noch etwas kommen wird. Ich bin froh, dass die Freiburger Justiz die Klümper-Akten freigegeben hat und wir jetzt endlich eine Chance auf Aufklärung haben. Der Fußball darf keine heilige Kuh sein, die niemand anfasst. Die wirtschaftliche Macht und die Verschlossenheit des Fußballs sollte für Journalisten und Beteiligte besonderer Ansporn sein, alles ans Licht zu holen. Normalerweise sprechen wir ja immer von schwarzen Schafen… Weiterlesen

Doping mit Anabolika beim VfB Stuttgart und SC Freiburg

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Die Vereine VfB Stuttgart und SC Freiburg sollen für ihre Spieler Anabolika finanziert haben. Das berichtet ein Mitglied aus der Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin. Der Kommission liegen Belege aus den späten 70er und den frühen 80er Jahren vor.

Es sei nun „erstmals der sichere Befund möglich, dass Anabolikadoping auch im Profiußball eine signifikante Rolle spielte“, heißt es in der am Montag (2.3.2015) versendeten Zusammenfassung, die das Kommissionsmitglied Andreas Singler veröffentlichte. Der Kommission liegen Unterlagen vor, in der Überweisungen für Medikationen „im Umfang von mehreren Zentausend DM pro Jahr“ auftauchen sollen. In den späten 70er Jahren und frühen 1980er Jahren hätten der Bundeligaverein VfB Stuttgart und „punktuell nachweisbar“ auch der damalige Zweitligist SC Freiburg das Anabolikum Megagrisevit bestellt.

[Update 10.3.2015 START]

Mittlerweile wurden weitere Vereine genannt. In der Sportschau am 7.3. kommt Alois Hornung, Teamarzt VfB Stuttart II, zu Wort. Er gehörte bereits in den 80er Jahren zum medizinischen Team des VfB Stuttgart. Hornung bestätigt die Besuche von Fußballern beim Spritzendoktor Klümper. Die Kicker hätten dort auch „illegale Substanzen“ bekommen. Neben Stuttgartern seien auch Spieler von Bayern München, 1860 München, 1. FC Nürnberg, Freiburg und Kalsruhe dahin gegangen. „Die sind ja alle zum Klümper“, sagt Hornung.

Die Aussagen von Dr. Hornung werden auf der Website des SWR etwas ausführlicher veröffentlicht. Darin sagt er zu Anabolika, man habe es „in Verletzungsphasen vielleicht mal dem einen oder anderen Sportler gegeben.“ Es sei „in der Verletzungsphase nicht verboten gewesen. Es gab keine Kontrollen.“ Ohne die Trainingskontrollen war es für Hornung „halb illegal.“ Von den Fußballern, die zu Klümper reisten, haben „einige auch Medikamente bekommen, die man damals nicht geben durfte.“ Ein flächendeckendes Doping bei Stuttgart damals schließe er aus.

Der Teamarzt des VfB Stuttgart findet in diesem Interview eine individuelle Definition, was verboten ist und was nicht, indem er die Kontrollen als Entscheidungskritierium setzt. Entscheidend ist aber die Verbotsliste auf der verbotene Substanzen und Methoden definiert sind. Solch eine Liste gab es auch schon damals. Im Jahr 1970 hat die FIFA offiziell mit Dopingkontrollen begonnen. Damit sie wussten, was sie testen müssen, brauchte die FIFA eine Liste. Wie damals der Einsatz von Anabolika definiert wurde, versuchen wir gerade u.a. mit einer Anfrage bei der FIFA herauszufinden.

[Update ENDE]

Löw und Adrion spielten in der Anabolika-Zeit für Stuttgart

Der VfB Stuttgart spielte in dieser Zeit in fast jeder Saison oben in der Bundesliga mit. Von 1977 bis 1984 brachte es der VfB zu einer Meisterschaft, einem Vizetitel, landetete jeweils dreimal auf Platz 3 und 4 in der Bundesliga. Weiterlesen

Dopingprozess in Rosenheim: Dubiose Ernährungsberater sind Alltag

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Ein Mediziner, der Amateur-Kraftsportler und Bodybuilder mit Dopingmitteln versorgt haben soll, steht ab heute am Amtsgericht Rosenheim vor Gericht. Pikant: Der Mann arbeitete zwischen April 2009 und Juni 2012 auch am Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland. Dort hielt er vor Kaderathleten und deren Trainern Vorträge über Sportlerernährung. „Vereinzelt beriet der Mitarbeiter Bundeskaderathleten auch individuell“, schrieb der Stützpunkt im Juni 2012 in einer Erklärung. Dopingvorwürfe wies man damals als „völlig unbegründet“ zurück, trotzdem entließ der Olympiastützpunkt den Mediziner. Der Mediziner arbeitete zudem mit einem Schweizer Unternehmen zusammen, dass auch Teams im Profifußball betreute.

[Von unserem Mitarbeiter Fabian Scheler]

[Update 12. Februar 2015: Mittlerweile hat das Rosenheimer Amtsgericht das Urteil gesprochen: Der Mediziner bekommt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren für den Handel mit Dopingmitteln. Er hat in mehreren Fällen gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen. Einer härteren Strafe entging er, weil er vor Gericht ein Geständnis ablegte. Er gab zu, Dopingmittel an Bodybuilder und Amateur-Kraftsportler verteilt zu haben. Gleichzeitig bestritt er aber jegliche Weitergabe an Profisportler. Mit Athleten des Olympiastützpunkts Rheinland-Pfalz/Saarland hatte er eigenen Angaben zufolge nur als Ernährungsberater Kontakt. Die Profisportler hätten ihn auch nie nach verbotenen Mitteln gefragt. Zwischen 2009 und 2012 war der Arzt am Olympiastützpunkt angestellt. Die NADA gab außerdem gegenüber dem Bayerischen Rundfunk an, dass die Ermittlungen lange nicht richtig aufgenommen wurden, weil es sich um Doping im Amatuersport handelte. Weil der Arzt die Weitergabe an Profis nochmal bestritt, dürfte dieser Fall erledigt sein. Welche Profiteams der Mediziner in der Schweiz betreut, wurde nicht bekannt.] Weiterlesen

Wir starten einen Newsletter

newsletter

Wir bei fussballdoping.de starten morgen Mittag einen Newsletter. Wir werden in unregelmäßigen Abständen Infos über unsere Arbeit und Ergebnisse unserer Recherchen versenden.

In den vergangenen Monaten haben sich gut 300 Nutzer in unseren Newsletter eingetragen. Vielen Dank dafür. Gleichzeitig haben wir durch unsere Arbeit beim gemeinnützigen Recherchebüro CORRECT!V etwas mehr Ressourcen, in Recherchen einzusteigen. Grund genug, nicht mehr nur bei Facebook und Twitter zum Thema Schmerzmittel und Doping im Fußball zu informieren, sondern auch per E-Mail. Weiterlesen

fussballdoping.de sucht einen Praktikanten

Wir bei fussballdoping.de sind seit einigen Monaten Teil des Recherchebüros CORRECT!V. Zum ersten Mal haben wir damit die Möglichkeit, in unsere Recherchen zu Doping und Schmerzmitteln im Fußball zu investieren. Deshalb suchen wir jetzt einen Praktikanten.

Listicle bei sbnation.com / Screenshot

Listicle bei sbnation.com / Screenshot

Als Praktikant arbeitest Du direkt mit uns – Jonathan Sachse und Daniel Drepper – im Berliner Büro von CORRECT!V. Wir betreuen Dich bei der Umsetzung eigener Themenideen und arbeiten gemeinsam mit Dir an bereits anrecherchierten Beiträgen.

Dein Praktikum sollte zum nächstmöglichen Zeitpunkt (gerne schon Anfang Februar) beginnen. Es dauert mindestens vier und maximal sechs Wochen. Wir zahlen Dir eine Aufwandsentschädigung. Die Bewerbungsfrist endet am 25. Januar.

Für eine Bewerbung musst Du folgendes tun: Weiterlesen

Fußballer sammelten für Spritzendoktor

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Die beiden früheren Bundesliga-Stars Hansi Müller und Karlheinz Förster sammelten nach Recherchen des WDR-Magazins Sport Inside Geld für den Spritzendoktor Armin Klümper. Der mittlerweile im Exil lebende Arzt arbeitete lange an der Uni Freiburg. Zu Klümpers Zeit galt Freiburg als sportmedizinische Dopinghochburg im deutschen Spitzensport.

[von Fabian Scheler, Jonathan Sachse und Daniel Drepper]

[Update, 20.02.2015: Bei der Aufklärung der Dopingvergangenheit in Freiburg gibt es neue Erkenntnisse. Offenbar spendeten noch mehr bekannte Fußballer für den Mediziner Armin Klümper, der im Mittelpunkt der Ermittlungen steht. Klümper selbst nannte in einem bislang unveröffentlichten Buch die Namen Hansi Müller und Paul Breitner. Das Manuskript des Buches liegt dem SWR vor.

Klümper war in Steuerschuld geraten. Daraufhin sammelte der frühere Weltklasseturner Eberhard Gienger Geld für Klümper. Auch die Fußballgrößen Karl-Heinz Rummennige, Uli Hoeneß und Paul Breitner sollen sich laut Spiegel mit einem fünfstelligen Betrag beteiligt haben. Klümper betreute viele deutschen Athleten, war bei vielen Sportlern sehr beliebt. Auch Felix Magath lobte ihn: „Er hat alles für seine Patienten getan.“

Dass der Fall Klümpner möglicherweise auch heute noch bis in höchste Stuttgarter Regierungskreise brisant ist, recherchierte die Stuttgarter Zeitung. Auch der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Meyer-Vorfelder pflegte den Kontakt zum Freiburger Arzt. Ein exzellentes Hintergrundstück zur Doping-Causa Freiburg hat schon vor drei Jahren die Journalistin Grit Hartmann im Deutschlandfunk veröffentlicht.

Am Dienstag trifftsich die Paoli-Kommission, die die Dopingvergangenheit in Freiburg aufarbeitet, mit Vertretern aus dem Wissenschaftsministerium und der Universität Freiburg.]

Klümper galt als Wunderheiler. Hunderte Athleten ließen sich von ihm behandeln. Auch andere Prominenz, darunter mehre Politiker, setzen auf seine medizinischen Dienste. Klümper wurde 1984 wegen Rezeptbetrugs verurteilt. 1987 starb seine Patientin, die Siebenkämpferin Birgit Dressel, an einem toxischen Schock. 78 Medikamente wurden bei Dressel gefunden, darunter von Klümper verschriebene Anabolika. Diesen Armin Klümper unterstützten auch die beiden Europameister und Vize-Weltmeister Hansi Müller und Karlheinz Förster. Weiterlesen