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Von Kreisliga bis Champions League

Infos zu Doping im Fußball gibt es in einem Wald in Österreich. In Laakirchen, 80 Kilometer östlich von Salzburg, im Heimatdorf des Dopingdealers Stefan Matschiner. „Fußball ist ein Einzelsport, da kämpft jeder für sich“, sagt … Weiterlesen

Vier Mal Fußballdoping in einer Woche

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Doping im Fußball meldet sich mit Macht zurück, in der vergangenen Woche sind innerhalb weniger Tage vier Fälle zum Thema bekannt geworden. Wir liefern Euch hier kurze Zusammenfassungen und Links.

1) Bei den Asienspielen ist ein tadschikischer Spieler positiv auf das Aufputschmittel Methylhexanamie getestet worden. Der Abwehrspieler Khurshed Beknazarov ist 20 Jahre alt. Beknazarov wurde von den Asienspielen ausgeschlossen.

2) Franco Sosa ist wegen des Gebrauchs von Clenbuterol für zwei Jahre gesperrt worden. Clenbuterol ist ein Kälbermastmittel, das zum Muskelaufbau verwendet wird. Sosa war Kapitän von Tacuarembó FC, einem Zweitligaklub in Uruguay.

3) Der kanadische Nationalspieler Atiba Hutchinson, aktiv für Besiktas Istanbul, ist mit Asthma-Medikamenten aufgefallen, für die seine Ausnahmegenehmigung abgelaufen war. Wer mehr Informationen in türkischen Medien findet, melde sich gern.

4) Beim brasilianischen Spitzenklub Botafogo gab es vergangene Woche Ärger, weil die saudi-arabische Anti-Doipng-Agentur Stürmer Jobson vorwarf, einen Dopingtest verweigert zu haben. Jobson war zuletzt an den saudischen Klub Al-Ittihad ausgeliehen. Botafogo und Jobson sagen offenbar, die Meldung über den verweigerten Dopingtest sei eine Racheaktion von Al-Ittihad. In Wahrheit gehe es um Geldstreitigkeiten. Allerdings hat Jobson bereits eine Doping-Vergangenheit: Im Dezember 2009 war er mit Kokain aufgefallen, was ihm nach viel juristischem HickHack eine zweijährige Sperre einbrachte.

Wer Infos zu Doping und Dopingfällen im Fußball hat, melde sich gerne jederzeit per E-Mail oder telefonisch bei uns. Für sensible Informationen steht der verschlüsselte Upload des Recherchebüros CORRECT!V zur Verfügung.

Gefällt Ihnen unsere Arbeit? Werden Sie Mitglied von CORRECT!V. Je mehr wir sind, desto stärker werden wir.

Doping im holländischen Amateurfußball

Spakenburg-Fans. / screenshot von nrc.nl

Spakenburg-Fans. / screenshot von nrc.nl

Mit Aufputschmitteln zum holländischen Amateurfußball-Titel: Spieler des SV Spakenburg haben sich vor zwei Jahren systematisch Stimulanzien eingeflößt, um sich den Titel als holländischer Amateurmeister zu sichern. Das zumindest berichtete am vergangenen Wochenende ausführlichst das NRC Handelsblad, eine der größten Qualitätszeitungen der Niederlande. Der Skandal passt zu dem, was in Gesprächen und einzelnen Texten immer wieder über den Amateurfußball berichtet wird.

Die Mehrheit der Spieler, schreibt das Blatt, hätten in der Saison 2011/12 die Substanz CrackV3 genutzt, die auch die Stimulans Methylhexanamine enthält. Das Mittel soll vor den Spielen offen in der Kabine gestanden haben. Nun soll es eine interne Untersuchung geben.

Medizinische Abteilung wusste wohl Bescheid
Die Stimulans soll von den meisten Stammspielern regelmäßig genommen worden sein, die gesamte Mannschaft inklusive der medizinischen Abteilung hätten Bescheid gewusst, dass das Team die verbotene Substanz nutzt. Weiterlesen

fussballdoping.de wird Teil von CORRECT!V

Unser Projekt fussballdoping.de wird ab sofort unter dem Dach von CORRECT!V laufen, dem ersten gemeinnützigen Recherchebüro Deutschlands.

Durch die Unterstützung von CORRECT!V wird das Projekt neuen Schwung bekommen, wir werden wieder mehr Zeit für eigene Recherchen haben. Fussballdoping.de ist langfristig angelegt, die Recherchen zum Thema können im Zweifel noch Jahre andauern. Damit passt die Plattform perfekt in die gemeinnützige Struktur von CORRECT!V. Dem Büro geht es nicht darum, Klickzahlen zu generieren und Profite zu erwirtschaften, sondern langfristig Hintergründe zu beleuchten und strukturelle Probleme aufzudecken, um die Gesellschaft zum Positiven zu verändern.

Im Frühjahr 2012, wenige Wochen vor der EM in Polen und der Ukraine, hatte ich diese Seite als Blog-Projekt des Ressort Recherche der damaligen WAZ-Gruppe gegründet, um dem Missbrauch von Dopingsubstanzen und Schmerzmitteln im Fußball langfristig auf den Grund zu gehen. Ich hatte das Gefühl, dass traditionelle Medien zu selten über Doping im Fußball berichteten. Ein Jahr später war die Webseite für den Grimme Online Award nominiert. Seit dem vergangenen Sommer unterstützt mich der befreundete Kollege Jonathan Sachse.

Dank an alle Leser, Nutzer, Freunde

Wir haben in den vergangenen Monaten und Jahren viel Spaß an der Recherche zum Thema gehabt. Und wir haben uns sehr gefreut, wie viele Rückmeldungen und wie viel Hilfe wir von zuvor wildfremden Menschen bekommen haben. Das hat uns darin bestärkt, dass dieses Projekt wichtig ist und dass wir das gemeinsam mit der Gemeinschaft unserer Leser, Nutzer und Mit-Rechercheure fortsetzen wollen. CORRECT!V ist dafür der richtige Rahmen. Jonathan und ich arbeiten seit Anfang Juli als Reporter in Vollzeit für CORRECT!V. Nun gehört auch fussballdoping.de offiziell dazu. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung hatte das Blog vor einiger Zeit freigegeben. Nun kann fussballdoping.de von CORRECT!V weiter betrieben werden.

CORRECT!V ist das erste gemeinnützige Rechechebüro Deutschlands. Das Büro finanziert sich aus großen und kleinen Spenden sowie Mitgliedsbeiträgen. CORRECT!V macht keinen Profit, sondern investiert jeden Euro direkt in investigativen Journalismus. Wer Mitglied wird, bekommt unter anderem Einblick in unsere Recherchen, Einladungen zu Veranstaltungen oder eBooks (hier gibt es eine Liste mit allen Vorteilen). Zudem sind alle Spenden an das Projekt von der Steuer absetzbar.

Unterstützen? Als Mitglied von CORRECT!V

Wir bei fussballdoping.de freuen uns über jedes neue Mitglied von CORRECT!V. Je mehr Mitglieder wir sind, desto stärker werden wir. In den vergangenen Jahren haben wir fussballdoping.de in unserer Freizeit und ohne Bezahlung betreut. Wer uns von nun an unterstützen möchte, kann dies endlich tun – mit einer Mitgliedschaft bei CORRECT!V.

Dopingkontrollen bei der WM: Die PR-Nummer

Alle Spieler werden vor der WM mindestens ein Mal getestet, hatte die FIFA angekündigt. Das ist nicht passiert. 62 Spieler wurden vor der WM nicht getestet, von diesen Spielern nahm die FIFA nach eigenen Angaben während des Turniers Nachtests. Dazu reisten die Dopingkontrollen deutlich länger, als kalkuliert. Ein positiver Test hätte gravierende Konsequenzen gehabt. Es lohnt sich genau hinzuschauen, um die Schwachstellen zu entdecken.

[Von Jonathan Sachse und Daniel Drepper]

Dopingkontrolleur und Fan – bei der WM 2006 // CC BY-SA by fotofreund via flickr.com



Die FIFA verkaufte ihre Arbeit als Erfolg: 91,5 Prozent der angestrebten Proben seien genommen worden. Doch Fakt ist: 62 Spieler wurden vor dem Turnier nicht getestet. Wir hatten vor der WM dazu aufgerufen, gemeinsam die FIFA-Kontrollen zu verfolgen. Ein Blick auf die gemeinsam erstellte Tabelle zeigt, dass es in vielen Ländern Spieler gab, die bei der ersten großen Kontrolle nicht anzutreffen waren.

Aus “personlichen Gründen” nicht zur Dopingkontrolle

Ein Fall verdeutlicht, wie einfach das Kontrollsystem der FIFA zu umgehen war: Bei Deutschlands-Finalgegner Argentinien war bei der Dopingkontrolle am 27. Mai zum Beispiel Ezequiel Lavezzi nicht vor Ort. Lavezzi soll kurz bevor die FIFA-Kontrolleure auftauchten das argentinische Trainingscamp verlassen haben, aus “persönlichen Gründen”. Argentiniens Fußball-Präsident sagte im Anschluss, er habe die Entschuldigung für Lavezzi persönilch unterzeichnet, sein Spieler habe ein persönliches Problem zu klären gehabt. Das alles habe nichts mit Doping zu tun.

Da die meisten FIFA-Kontrollen vor Turnierbeginn noch im Mai durchgeführt wurden, verpassten zum Beispiel auch zahlreiche Spieler von Real Madrid und Atletico Madrid die Trainingskontrollen. Die FIFA nannte auf unsere Anfrage hin Mitte Juni keine Namen, antwortete aber: “In accordance with FIFA anti-doping regulations, the remaining players can and will be tested at any time during the competition”.

Keine überraschende Kontrolle für 62 Spieler

Wenige Tage später gab die FIFA auf einer Pressekonferenz am 7. Juli bekannt, dass die 62 fehlenden Spieler mittlerweile nachgetestet worden seien. Ob dies wirklich geschah und welche Spieler alles betroffen gewesen sind, können wir nicht sagen. Sicher ist, dass fünf Spieler von Costa Rica im Vorfeld der WM nicht getestet wurden. Die FIFA holte diese Tests nach dem Vorrundenspiel gegen Italien nach und bat neben zwei regulär ausgelosten Spielern fünf weitere Teammitglieder zu einer gezielten Kontrolle. Diese Tests hat die FIFA als Trainings-Kontrolle kommuniziert, sie waren faktisch aber eine berechenbare Wettkampf-Kontrolle. Damit wurden offenbar zumindest einige der 62 Spieler, die sich der einzigen Trainingskontrolle vor der WM entzogen haben, im Anschluss von der FIFA nicht mehr im Training überrascht. Für sie war es ein Kontrollsystem ohne Überraschungseffekt, es gab für sie keine unangekündigten Kontrollen abseits der Spiele.

Wir haben alle 23 Nationalmannschaften konfrontiert, bei denen laut unserer Auswertung eine Möglichkeit besteht, dass Spieler vor Turnierbeginn nicht von der FIFA kontrolliert wurden. Wir wollten wissen, ob das der Fall war und falls ja, welche Spieler das betraf und ob diese Spieler während der WM nachgetestet wurden. Mit Australien meldete sich nur eine einzige Nation zurück: “All members of our 30 man provisional squad were tested before we departed Australia and we have had regular testing after every match. Outside that it’s not appropriate to discuss individuals.“

Dopingtransport noch länger als erwartet

Die untersuchten Urin- und Blutproben der 674 WM-Spieler, die vor Turnierstart getestet wurden, waren übrigens alle negativ. Ebenso waren Proben bis zum Halbfinale negativ, die während der WM aus den Spielstätten unter Zeitdruck nach Lausanne transportiert wurden. Ein Glücksfall für die FIFA: Hätte es eine positive Probe gegeben, wäre die rechtzeitige Auswertung bis zum nächsten Spiel extrem schwierig gewesen. Wir hatten die Transportwege und -zeiten vor der WM detailliert aufgeschlüsselt.

Zum Transport der Proben äußerten sich die beiden FIFA-Mediziner Jiri Dvorak und Michel D’Hooghe am 7. Juli mit interessanten Details: Im Schnitt seien die Proben 37 Stunden lang unterwegs gewesen. Das ist sogar noch deutlich länger, als von uns kalkuliert. Schon bei unserer Rechnung mit einer Transportzeiten von etwa 24 Stunden wäre es kaum möglich gewesen, nach einer positiven Probe vor dem nächsten Anpfiff ein finales Ergebnis vorliegen zu haben.

Die FIFA hat erneut eine WM ohne Dopingfall abgeschlossen – vorausgesetzt das Finale birgt nicht noch eine Überraschung. Seit 1994 hat es keinen Dopingfall mehr bei einer WM gegeben. Immer mehr Menschen halten diese weiße Weste für zu rein. Darunter auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière. “Es fällt auf, dass es keine positiven Dopingfälle gibt – trotz der Hitze, trotz des begeisternden Fußballs. Schon die Wahrscheinlichkeit und die Analogie zu großen Sportereignissen spricht dagegen.”

FIFA-Dopingproben: Helft uns bei der Recherche

© fussballdoping.de



Die FIFA möchte in diesem Jahr jeden WM-Spieler vor Beginn des Turniers testen. Die gesammelten Urin- und Blutwerte sollen in den biologischen Pässen des Weltverbandes gespeichert werden. Uns interessiert, ob diese Ankündigung eingehalten wird und wie diese Kontrollen genau ablaufen. Dabei könnt Ihr uns helfen.

Hier findet Ihr ein offenes Google-Dokument, indem wir alle FIFA-Kontrollen sammeln, die gegenwärtig in den weltweit verteilten Trainingslagern der Nationalmannschaften durchgeführt werden. Seit dem 1. März und bis spätestens zum 11. Juni müsste hier jede Nation drin stehen, wenn die FIFA sich an den eigenen Zeitplan hält und wir mit Eurer Hilfe alle Proben erfassen können.

Diese Übersicht soll helfen verschiedene Dinge zu verstehen. Zum Beispiel: Wann werden die Proben genommen? Alle in einem ähnlichen Zeitraum und wie weit vom Turnier entfernt? Werden die Nationalspieler nachträglich kontrolliert, wenn sie beim ersten großen Text nicht vor Ort gewesen sind?

Wie Ihr helfen könnt:
(1) Teilt diese Nachricht bzw. den Link zum Dokument mit euren (gerne internationalen) Netzwerken.
(2) Kommentiert hier, schreibt uns auf Facebook & Twitter oder ergänzt direkt im Dokument eure Ergebnisse.

Vielen Dank vorab an alle Helfer und an alle Personen, die uns seit gestern bereits unterstützt haben!

Wer die schwierigen Rahmenbedingungen rund um die Dopingkontrollen bei der Weltmeisterschaft noch nicht kennt, dem empfehlen wir unsere erste Doping-WM-Vorschau.

Die lange Reise der WM-Dopingproben

Dopingkontrollformular der FIFA // Screenshot auf fifa.com



Die Dopingkontrollen bei Fußball-Weltmeisterschaft sind extrem uneffektiv. Bei den letzten vier Weltmeisterschaften wurde kein einziger Spieler positiv getestet. In Brasilien könnte sich das System noch verschlechtern, sollten die Dopingproben nicht rechtzeitig analysiert werden.

Jeden Abend wird aus Sao Paulo ein Flieger nach Lausanne starten. Die wichtigste Ware an Board: Gekühlte Dopingproben. Mal fliegen die Proben von portugiesischen und deutschen Nationalspielern zusammen. An einem anderen Tag wird Blut und Urin von spanischen und niederländischen Kickern in die Schweiz transportiert. Es sind über 20 lange Reisen, die eine von der FIFA beauftragte Transportfirma durchführen wird.

Die Vorgeschichte: Das brasilianische Labor in Rio de Janeiro hat im letzten Jahr seine WADA-Akkreditierung verloren, nachdem Proben fälschlicherweise positiv analysiert wurden. Die FIFA suchte nach einer Alternative und entschied sich für das weit entfernte, aber wohlvertraute, Labor in Lausanne. Der Fußballweltverband entschied sich gegen nähere WADA-Labore in den USA, Kanada oder anderen südamerikanischen Ländern. Mittlerweile gibt die FIFA zu, dass durch die langen Reisewege ernsthafte logistische Probleme entstehen könnten.

Das Thema hat HR INFO letzte Woche durch eine Presseanfrage bei der FIFA neu aufgegriffen. Darin wiederholte die Fifa ein Problem, welches bereits im April vom Fußballweltverband benannt wurde, als der FIFA-Chefmediziner Michel D’Hooghe in einem Interview mit der Agentur AP zugab: Er sei sich „nicht ganz sicher“, ob die Analyse-Ergebnisse immer rechtzeitig zum nächsten Spiel einer Mannschaft feststehen werden.

Wir haben ebenfalls bei der FIFA nachgefragt. Unter anderem wollten wir wissen, um welche Zeit der fast tägliche „Dopingkontroll-Flieger“ starten soll und wie lange jeder Transport den FIFA-Berechnungen zufolge dauern wird. Diese Details möchte die FIFA nicht bekanntgeben, teilt uns ein Sprecher des Weltverbandes mit. Stattdessen wiederholt er das allgemeingültige Kontrollziel: „Das Labor in Lausanne ist darauf eingestellt 24 Stunden pro Tag zu arbeiten mit dem Ziel, dass die Resultate vor dem nächsten Spiel der entsprechenden Teams bereitstehen.“

Schauen wir uns die Transportroute und die Analyse-Zeit der Proben im Detail an.

Nach dem Spiel werden jeweils zwei Spieler aus jedem Team kontrolliert. Die Abendspiele werden in der Regel zwischen 17-18 Uhr Ortszeit abgepfiffen. Anschließend brauchen die Spieler oftmals eine Weile, bis sie pinkeln können. Parallel wird den Spieler Blut abgenommen. Wenn die FIFA eine zeitliche Reserve aufschlägt, müsste sie mindestens drei bis vier Stunden einplanen, bis die Probe zum Transport verpackt wurde. Die Abfahrt vom Stadion könnte dann erst am späten Abend beginnen.

Der Blick auf die Landkarte zeigt wie sehr die Stadien im Land verteilt sind. Die Proben werden immer von Sao Paulo aus nach Europa geflogen.



Bei den Distanzen und der Infrastruktur in Brasilien darf davon ausgegangen werden, dass die Proben aus den Stadien nach Sao Paulo geflogen werden müssen. Die ungefähre Flugzeit kann in der folgenden Tabelle eingesehen werden.



In Sao Paulo werden die gekühlten Proben in den Flieger nach Lausanne umgeladen. Wenn der Zeitplan optimal verläuft, könnte der Flieger in den frühen Morgenstunden abheben und Kurs auf die Schweiz nehmen. Nach einem knapp 14 stündigen Flug erreicht er dort den Flughafen. Die Proben werden mit dem Auto ins Labor gefahren. In Summe verliert die FIFA bei dieser eng getakteten Rechnung einen ganzen Tag durch den Transport.



In der Podiumsdiskussion am 21. Mai sprach Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA), von 24 Stunden, die bei einem 24/7 Labor benötigt werden, um eine negative Probe festzustellen. Sollten bei der Analyse allerdings fragwürdige Werte auftauchen, verlängere sich die weitere Kontrollreihenfolge und somit die Länge erheblich. Dann müsse die Analytik detaillierter wiederholt werden. In den Anti-Doping Regularien der FIFA (61.1) steht zudem geschrieben: Wird eine positive Probe bestätigt, hat der Spieler noch einmal 12 Stunden Zeit, um die Öffnung der B-Probe zu beantragen. Dabei muss sicher gestellt sein, dass ein Vertreter des nationalen Verbandes oder des Vereins anwesend ist. Anwesend bedeutet in diesem Fall: In Lausanne.

Fazit: Durchschnittlich müssen die Nationalmannschaften alle vier Tage ran. Sollte zwischendurch ein Spieler auffällige Werte aufweisen, die zu einer positiven A-Probe führen könnten, ist es extrem unwahrscheinlich, dass diese vor dem nächsten Spiel öffentlich werden. Dazu kommt: Je länger und komplizierter der Transportweg, desto größer die Gefahr, dass die Proben falsch gelagert und damit unbrauchbar werden.

Soweit die Theorie. In der Praxis ist es unwahrscheinlich, dass überhaupt ein Spieler in Brasilien positiv getestet wird. Erst dreimal wurden während eines WM-Turniers Spieler positiv getestet. Ernst Jean-Joseph (1974) und Willie Johnston (1978) flogen zu einer Zeit auf, als Dopingkontrollen noch unregelmäßig durchgeführt wurden. Erst seit 1994 sollen – so schreibt es die FIFA in diesem Dokument (S.10 im .pdf) – strukturiert Proben genommen und ausgewertet worden sein. Beim Turnier in den USA flog Diego Maradona mit Ephedrin im Urin aus dem Turnier.

Danach? Nichts mehr. Bei den letzten vier Weltmeisterschaften war von über 4.000 WM-Dopingkontrollen keine einzige Probe mehr positiv. Dopte in den letzten zwei Jahrzehnten wirklich kein einziger Spieler beim wichtigsten Fußballturnier der Welt? Oder sind die Kontrollabläufe einfach nicht effektiv?

Die FIFA lobt gerade die Verbesserung in der eigenen Anti-Doping Arbeit und hebt dabei den biologischen Pass hervor. Zum ersten Mal fließen von Teilnehmern einer Weltmeisterschaft jeweils ein Urin- und Blutwert ins biologische Profil ein. Seit dem 1. März 2014 sollen deswegen bereits Spieler beim Training getestet worden sein. Beim DFB kam die FIFA am 26. Mai vorbei. Die Nationalkicker müssen nun keine weitere FIFA-Kontrolle vor dem Turnierstart mehr befürchten, können aber im Training noch von der NADA besucht werden. Die Werte aus den NADA-Proben fließen aber nicht ins biologische Profil ein.


Der Pass ist ein positive Entwicklung, die aber im gegenwärtigen Zustand noch kaum Aussagekraft hat (siehe alter Blogeintrag). Im Zusammenhang mit den logistischen Schwierigkeiten bei der kommenden Weltmeisterschaft, wäre es eine Überraschung, wenn in diesem Jahr ein WM-Spieler positiv getestet werden sollte.

Kontakt zum Autor:
Twitter: @jsachse
E-Mail: jonathan.sachse@gmail.com
Telefon: +49 151 40522403

Neu: Blutkontrollen nach Bundesliga-Spielen

Der DFB finanziert die Anti-Doping Maßnahmen // © Arne Kulf



Ab der Saison 2014/15 sollen die ersten Blutkontrollen in DFB-Wettbewerben eingeführt werden. Dafür wird das Budget leicht erhöht. Eine kleine Verbesserung in der Anti-Doping Arbeit. Zentrale Lücken im deutschen Kontrollsystem bleiben aber bestehen.

Eine Einführung von Blutkontrollen in Wettbewerben hat der DFB schon länger angekündigt. Gestern wurde Rainer Koch (DFB-Vizepräsident) etwas konkreter. Der DFB möchte 100.000 Euro zusätzlich für Anti-Doping Maßnahmen ausgeben. Damit erhöht sich das gesamte Budget auf etwa 800.000 Euro und bewegt sich weiterhin im Promille-Bereich, setzt man die Investition ins Verhältnis zu den alljährlichen Rekordumsätzen im deutschen Fußball.

Wie viele Blutkontrollen wird es in der kommenden Saison in Wettbewerben geben?
Laut einer SID-Agenturmeldung sprach Koch von 120 zusätzlichen Blutkontrollen. Gleichzeitig soll er gesagt haben, dass sich dadurch die Anzahl der Blutkontrollen etwa verdoppelt. Diese Rechnung ist für uns nicht nachvollziehbar. Bislang hat die NADA etwa 75 Blutkontrollen im Training durchgeführt (siehe Update unten).

Wir fragen nach und werden diesen Text aktualisieren, sobald uns die konkreten Zahlen vorliegen. Dann wissen wir hoffentlich auch, bei wie vielen Spielen pro Spieltag das Blut von Spielern kontrolliert werden soll. Unklar ist auch, wann konkret die ersten Blutkontrollen im Wettbewerb genommen werden. Der Rahmenvertrag zwischen DFB und NADA läuft bis Ende 2014. Sollte dieser nicht vorläufig aktualisiert werden, könnten die neuen Kontrollen erst 2015 beginnen.

[Update 1: 26.5. nach Antwort des DFB]

Der DFB schreibt uns, dass “das DFB-Präsidium in seiner letzten Sitzung die Anti-Doping-Richtlinien entsprechend geändert” habe. Der Rahmenvertrag spiele dabei keine Rolle, da dieser nur die Durchführung der Trainingskontrollen im Wettbewerb betreffe. Deswegen würden die Trainingskontrollen “ab Beginn der Spielzeit 2014/2015″ eingeführt werden.

Uns gegenüber hat der DFB die oben genannte Zahl von Koch leicht nach oben korrigiert. Insgesamt sollen in der nächsten Saison “rund 140-150 Wettkampfblutkontrollen” genommen werden. In den ersten beiden Bundesligen würden dadurch im Schnitt vier Blutproben genommen werden (136 Proben pro Saison). Dazu würde an vier Spieltagen in der 3. Liga und bei vereinzelten Spielen im DFB-Pokal kontrolliert werden.

[Update 1: Ende]

Durch die Einführung der Blutkontrollen wird der DFB seine medizinische Personalstruktur anpassen müssen. Im Gegensatz zu den Kriterien für “Urin-Kontrolleure” darf das Blut nur von ausgebildeten Ärzten oder anerkannten Heilpraktikern entnommen werden, die für die Kontrollen zusätzlich geschult werden müssen (siehe NADA-Regelwerk unter G.3).

[Update 2: 26.5. nach Antwort des DFB]

Der DFB schreibt uns, dass die Wettkampfkontrollen “seit Beginn der Kontrollen im Jahr 1988 AUSSCHLIESSLICH (sic) von approbierten Ärzten durchgeführt” werden würden und deswegen das Personal für die Blutkontrollen kein Problem darstellen würde.

[Update 2: Ende)

Der DFB bewegt sich, aber zentrale Lücken im Anti-Doping System bleiben bestehen. Diese Probleme haben wir zum Beispiel hier benannt. An dieser Stelle wiederholen wir nur drei Punkte:

● Die NADA darf nur im Training kontrollieren. In den Wettbewerben übernimmt der DFB die Kontrollen. Das soll sich in der kommenden Saison auch nicht ändern.
● Der DFB finanziert die Dopingkontrollen der NADA. Der Verband bestimmt dadurch die Quantität der Kontrollen. Außerdem ist er für das Ergebnismanagement zuständig. Das ist kein unabhängiges Anti-Doping System.
● Insgesamt werden Bundesliga-Spieler zu selten kontrolliert. Wenn Kontrollen stattfinden, sind diese zu berechenbar. Nur Nationalspieler können zu Hause kontrolliert werden.

Gestern fand in Frankfurt am Main eine Podiumsdiskussion zum Thema Doping im Fußball statt. In diesem Rahmen soll sich Koch zu den Blutkontrollen geäußert haben. Wir konnten den Livestream auf HR Online leider nicht verfolgen. Habt Ihr die Diskussion gesehen? Wurden Koch oder Gotzmann (NADA-Vorsitzende) dort konkreter? Und wurden weitere Dinge gesagt, die Ihr wichtig findet?

Update: Die Diskussion steht mittlerweile online zur Verfügung und kann hier angeschaut werden.

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Dopingfall Marque: Sechs Spiele Sperre

© Jonathan Sachse



Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat heute im Fall Francois Marque ein Urteil gesprochen: Seine positiven Proben sind als Dopingvergehen zu werten. Dennoch muss der Drittliga-Spieler nur bei den kommenden sechs Pflichtspielen zuschauen, da kein klassisches Mittel zur Leistungssteigerung eingesetzt worden sei.

Vor zwei Tagen haben wir noch mit dem Pressesprecher des 1. FC Saarbrücken ohne Ergebnis telefoniert. Zu einem “laufenden Verfahren” könne er keine Auskunft geben. Heute veröffentlicht der DFB das Urteil zum Dopingfall Marque in einer Reihe von vielen anderen aktuellen Meldungen auf seiner Website.

Die Chronologie von der positiven Dopingprobe bis zum DFB-Urteil fassen wir hier noch einmal zusammen. Weiterlesen

Europäische Kontrollsysteme: Portugal mit Rekordzahlen in Europa

Fußballnation Portugal / Twitter-Nutzer agu2000_de; CC BY 2.0)



Über 100 Dopingfälle wurden in den vergangenen zehn Jahren im portugiesischen Fußball aufgedeckt. Ein echter Ausreißer in Europa. Wo liegen die Gründe für diese Quote? Eine Antwort findet sich im dortigen Kontrollsystem.

Im Dezember haben wir die ersten Ergebnisse unserer Recherche über die Dopingkontrollen im europäischen Fußball online gestellt. Jetzt vertiefen wir das Ganze mit einer Analyse der unterschiedlichen Systeme. Los geht’s mit Portugal.

Wie und wo wird kontrolliert?

Die portugiesische Anti-Doping Agentur ADoP führt alle Kontrollen durch. Pro Spieltag werden mindestens zwei Spiele in der ersten Liga und ein Spiel in der zweiten Liga ausgelost. Außerhalb des Wettkampfes werden pro Saison nur in jedem Team aus der ersten Liga drei Tests genommen und eine Liga darunter zwei Kontrollen durchgeführt. Weiterlesen

Kortison-Befund Marque: Gibt es eine Ausnahmegenehmigung?

Therapeutische Ausnahmegenehmigung für Marque? / © Screenshot: Arne Kulf Animationsfilm

Gab es eine therapeutische Ausnahmegenehmigung für Marque? Für die NADA ist diese Frage für die Bewertung der positiven Dopingproben von zentraler Bedeutung, um über eine Sanktion für den Drittliga-Spieler entscheiden zu können. Die Entscheidung des DFB erwartet Sie in Kürze.

Gestern haben wir hier über die positive A- und B-Probe im Urin des Saarbrücker-Abwerhspielers Francois Marque berichtet. In einem Gespräch beim Sportradio360 hatten wir die Gelegenheit kurz Dr. Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der NADA, dazu zu befragen.

Die getestete Substanz sei ein Kortison-Abkömmling, bestätigte Gotzmann. Eine Substanz, die nur im Wettbewerb verboten sei. “Man kann therapeutische Ausnahmegenehmigung (TUE) stellen. Man muss jetzt klären, ob das in diesem Fall stattgefunden hat. Das wird bei der Anhörung beim DFB stattfinden, sodass man diesen Fall einordnen kann”, beschrieb Gotzmann den Ablauf. Da es sich um eine „spezifische Substanz” handle, würden man auch beim Strafmaß differenzieren. “Das ist jetzt Aufgabe des DFB.“ Weiterlesen